Es ist nichts für Feiglinge, das Älterwerden. Diesen Spruch kennen wir alle. Aber heute möchte ich ihn ergänzen: Es ist vor allem nichts für Menschen, die sich weiter verstecken wollen. Wisst ihr, was wirklich Mut erfordert? Im Alter nicht unsichtbar zu werden. Wir Frauen haben eine lange Geschichte des Übergangen-Werdens.
Das Buch „Beklaute Frauen“
Mein Blick fällt auf das Buch „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler. Ich fand es im Shop des Bauhauses in Dessau. Es handelt vom Übergangen-Werden, erzählt von den unsichtbaren Heldinnen der Geschichte. Von Denkerinnen, Forscherinnen, Pionierinnen. Davon, warum Lise Meitner keinen Nobelpreis bekommen hat. Wieso die herausragende Physikerin Jocelyn Bell Burnell im Jahre 1974 auch nicht, dafür ihr Doktorvater und ein Kollege. Ein Kapitel heißt „Vergessen und Ausgelöscht“. Die Leistungen von Frauen werden nicht erwähnt, werden vergessen und sind aus dem Kanon der Geschichte verschwunden.
Immer wieder waren Frauen bekannt und berühmt zu ihrer Zeit. Sie sind in den Geschichtsbüchern trotzdem so gut wie nicht zu finden. Erst so ganz langsam, erst in unserer heutigen Zeit, wird man sich dieses Dilemmas bewusst. Weil Frauen endlich aufstehen und bemängeln, dass es so ist. Weil damit das Bewusstsein dafür überhaupt erst geschaffen wird. Es ist schon traurig, dass wir das tun müssen. Als gäbe es uns Frauen nicht. Und wenn wir älter werden, gibt es uns schon gleich gar nicht mehr. Wir sind auf unser Aussehen reduziert. Und das wird mit dem Alter eben auch alt.
Warum sollten Männer all das bemängeln. Unsere Geschichte wurde Jahrhunderte lang nur aus der männlichen Sichtweise geschrieben. Und somit hatten sie nie das Problem, nicht erwähnt zu werden, ob mit ihren Erfolgen oder damit, dass es sie überhaupt gegeben hat.
Übersehen werden
Ich war in der Dauerausstellung des Bauhaus Museums. Sie ist ein Querschnitt durch genau jenes Verhalten, dass Frauen Großes leisten, sogar selbst zu bekannten Künstlerinnen werden. Vor allem auch maßgeblich das Bauhaus mit ihren Werken prägten. Ohne sie wäre es nicht das geworden, was es war und bis heute ist. Nur sind ihre Namen in Vergessenheit geraten. Einfach im Dunkel der Geschichte verschwunden.
Die Ausstellung erzählt von den Frauen des Bauhauses, in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Von ihren unglaublichen Talenten. Aber auch davon, wie sie konsequent übergangen wurden. Andere bauten Karrieren auf ihrem Rücken auf. Die Zeit damals gab ihnen keinen Raum für Sichtbarkeit. Aber wir schreiben das Jahr 2026 inzwischen – und wir haben diesen Raum.

Sichtbarkeit ist eine Entscheidung
Lange Zeit wurden wir Frauen unsichtbarer, je älter wir wurden. Wir haben gearbeitet, geliefert, den Rücken frei gehalten – und wurden oft genug übersehen, wie unsere Geschichte zeigt. Doch Selbstverwirklichung hat keine Altersgrenze. Für mich bedeutet „Tun“ pure Lebendigkeit. Deshalb bin ich jetzt hier. Mit diesem neuen Blog, mit meinen Geschichten, nach meiner ersten Lesung.
Ich habe mich entschieden: Ich werde gesehen. Trotz der kritischen Stimmen, die es in jeder Familie gibt. Ich nutze die Werkzeuge unserer Zeit – das Internet, das Bloggen und ja, auch die KI als Unterstützung, nicht als Feindbild. Es ist eine unbeschriebene Kraft, die perfekt zu diesem neuen Jahr passt. Ein Neuanfang, der auf Wohlwollen und Verbindung setzt, statt auf altes Konkurrenzdenken.
Mensch bleiben – trotz alledem
Beim Blättern in Schölers Buch bin ich auf eine Stelle gestoßen, die mich tief berührt hat. Ausgerechnet ein Zitat von Rosa Luxemburg – einer Frau, die ich zutiefst bewundere und der es nicht vergönnt war, alt zu werden:
„Sieh, dass du Mensch bleibst. Mensch sein ist von allem die Hauptsache. Und das heißt fest und klar und heiter sein, ja heiter, trotz alledem.“
Dieses „trotz alledem“ ist mein Motto für diesen Blog. Mensch bleiben in einer digitalen Welt. Heiter bleiben, auch wenn die Glieder mal schmerzen oder die Gesellschaft uns in eine Ecke stellen will. Wir sind hier, wir schreiben, wir verbinden uns. Und wir fangen gerade erst an.

Noch ist der Blog neu und im Entstehen. Anngret schreibt Geschichten, veröffentlicht im Blog Alltagserlebnisse, schreibt über Frauenthemen, über Erlebnisse auf ihren Reisen, übers Älterwerden in Würde und Gesundheit, erzählt über die neue sanfte Medizin und einfach über alles, was das Einfach-Mensch-Sein ausmacht. Sie hat eine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin, war im Berufsleben im Steuerbereich tätig und ist jetzt in Rente.