Ich werde wach des Nachts.
Eines Nachts erwachte ich, wie so oft. Meistens ist ein kleines Bedürfnis der Grund. Nur diesmal – warum bin ich wach geworden, frage ich mich, ich muss nicht raus. Was ist denn los? Wer hat mich geweckt? Was hat mich geweckt? Ein Geräusch? Ich lausche. Hinein in die Stille und in die Dunkelheit. Außer meinem Atem höre ich nichts. Und jetzt? Schlafe ich weiter? Einfach so? Geht nicht. ICH. BIN. WACH.
ICH. BIN. WACH.
Na dann.
Dann mache ich mal Licht. Bringt doch nichts, weiter liegen zu bleiben.
Doch halt. Liegen?
Liege ich?
ICH BIN WACH.
Ja, gut, ich weiß es doch.
Licht an.
Der Lichtschalter der kleinen Lampe ist links neben mir. Drauf drücken.
Befehl an mich.
Ich kann nicht.
Da ist kein Lichtschalter.
Es ist stockdunkel.
Ich muss doch nur die Hand auf den kleinen Schalter legen … dann wird es hell.
Meine Hand. Hallo HAND! Mach doch mal!
Hand?
Wieso ist da keine Hand? WAS?!
Dann steh‘ ich einfach auf. Ohne Licht. Geht doch auch. Im Dunkeln finde ich mich zurecht.
Ich kann nicht aufstehn.
ICH BIN ABER WACH.
Ja, dann schlafe ich vielleicht doch noch? Bin ich in einem Traum?
Hallo, du, aufwachen!!
Oh Mann.
ICH BIN WACH.
Ah! Befehl!
Wach bin ich ja.
Also – Befehl – erteilen
LICHT AN!
Eine winzige Lichtquelle taucht aus der Dunkelheit auf.
Geht doch.
Roll los.
Rollen? Ich soll rollen? Verflixt, wer sagt das?
Ich bewege mich … Ich rolle …
Hilfe … Ich rolle … Wo ist mein Körper …
Ich rolle langsam durch die Dunkelheit, die nicht mehr dunkel ist, ich ROLLE.
SCHWEBE ICH?
Ich rolle. Die Treppen runter.
Die Treppen. Ich gleite. Ich rolle.
Das Licht folgt mir. Es ist dunkel. Nach Menschenart ist es dunkel.
Aber ich sehe, was ich tue – ich gleite nach unten, unsere Treppen hinunter.
ICH BIN ES. ICH BIN WACH.
ABER WER BIN ICH?
WIESO GLEITE UND ROLLE ICH?
Stopp! Befehl! DER Befehl.
Es stoppt.
Das Rollen stoppt.
ICH habe es gestoppt.
Aber ich kann doch noch denken.
Wer bin ich denn nun?
WAS bin ich denn?
Bin ich tot??
Ist das – TOT sein?
Bin ich gestorben??!
Aber wieso??
Befehl!!!
Stopp!! Der wirkt nicht, der Befehl.
Ich stoppe doch längst.
Auf der Treppe. Im Zwischengeschoss.
Meine Güte. WAS ist das für ein Zustand??
Hilfe!
GLEITE. Neuer Befehl.
Ich gleite. Ich gleite weiter. Nach unten. Nach draußen. Tür?
Ich brauche keine Tür mehr! Sie hält mich nicht auf! Ich bin – ich bin kein Mensch mehr??
Nur noch SEIN? NUR NOCH ESSENZ?
Wieso kann ich aber noch denken, wie ein Mensch.
Ich gleite weiter.
Gleite durch die Nacht.
Es ist dunkel. Und doch sehe ich alles. Ich sehe anders. Ich nehme wahr, nehme auf. Und gleite.
Mein ICH. Ich bin nur noch ICH.
BIN ICH. DIE ESSENZ meiner menschlichen Existenz.
Wie unnötig der Körper ist.
Ich bin also doch tot?
Mein Gott, diese Einsamkeit.
Wieso antwortet mir niemand, wenn ich frage, wer ich bin. WAS los ist.
WARUM ich rolle, gleite, ohne Körper, ohne Hände, ohne Füße …
ICH
WILL
ZURÜCK!
Schluss!!
Ich hab’s begriffen!
ICH SCHREIE ES!!
ES schreit nicht. Mich gibt es nicht. Ich bin ohne Existenz und – lebe doch.
ICH
WILL
ZURÜCK!
In meinen Körper! In mein Bett!
Hallo!!
Hört hier jemand was!?
BEFEHL erteilen.
ICH BIN.
BIN ICH?
ICH BIN DA.
Ein Ruck.
Ich spüre
… eine Hand … meine Hand …
Ich bin wieder da.
LICHT an!
Knips.
Ich sitze im Bett.
LEBEN. ICH LEBE.
Was war das?
Hatte ich meinen Körper verlassen?
WAR es ein Traum?
Kein Traum. Ich kann Raum und Zeit verlassen…
Oh bitte. Will ich das jemals wieder erleben? Keine Ahnung.
Was fühle ich? Wie fühlt sich diese Körperexistenz an?
Ein Herz klopft. Mein Herz.
Es gibt mich.
Ich bin.
Essenz & Körper.


Noch ist der Blog neu und im Entstehen. Anngret schreibt Geschichten, veröffentlicht im Blog Alltagserlebnisse, schreibt über Frauenthemen, über Erlebnisse auf ihren Reisen, übers Älterwerden in Würde und Gesundheit, erzählt über die neue sanfte Medizin und einfach über alles, was das Einfach-Mensch-Sein ausmacht. Sie hat eine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin, war im Berufsleben im Steuerbereich tätig und ist jetzt in Rente.