Weltfrauentag 2026 – ein Leben

Veröffentlicht am Kategorisiert als Frauenleben

Die Würfel sind gefallen. Es führt kein Weg zurück. Sie wird ihre Kinder nehmen und gehen. Heimlich. Wenn er in der Arbeit ist. Die anderen haben ihr geholfen, die Flucht vorzubereiten. Tun muss sie es alleine. Sie muss zumindest soviel mitnehmen, was in die drei Koffer passt. Kleidung für die Kinder, für sich. Spielsachen. Die liebsten Dinge der Kinder. Alle Papiere. Die Ausweise. Sie hatte sie unter der Matratze versteckt.

Jetzt wird es ernst. Sie muss handeln. Tun. Nicht denken im Moment. Nur tun, einen Schritt nach dem anderen. Alles zusammenpacken, schnell. Nicht groß zusammenlegen. Rein in die Koffer, fertig. Alles andere kommt später. Die Papiere dazu. Der Katze Minka noch Wasser und Futter in den Napf. Sie müssen sie leider zurücklassen.

Minka kann nicht mit

„Kleine Minka“. Sie war angerast gekommen, mit erhobenem Schwanz. Sie kraulte ihr den Kopf. „Es tut mir leid. Du bist so eine Liebe. Aber dort, wo ich mit den Kindern hingehe, darf ich keine Tiere haben. Er wird sich schon kümmern um dich. Und die Kinder freuen sich, dich zu sehen, wenn sie ihn wieder besuchen. Aber ich, ich muss weg.“ Minka strich ihr schnurrend um die Beine. Sie gab ihr einen liebvollen Schubs und lief ins Schlafzimmer.

Die Koffer lagen auf dem Bett, die Schranktüren standen offen. Sie nahm raus für sich, was sie schnell fand: Pullis, Blusen, Unterwäsche. Zwei Hosen. Rock. Handtücher. Schals. Mütze. Den bunten Sommerhut. Den wenigen Schmuck, Modeschmuck. Den teuren ließ sie ihm. So konnte er ihr mit Sicherheit keinen Diebstahl vorwerfen. Das sollte das Gericht entscheiden, was ihr zustand. Die Kinderkleidung kam in die zwei kleineren Koffer. Die Spielsachen in zwei Reisetaschen.

Die Angst muss dort bleiben

Sie schwitzte. Es musste schnell gehen. Und wenn er ausgerechnet heute früher zurück kam? Die Angst drückte ihr fast die Luft ab. Nicht auszudenken, was er mit ihr anstellen würde. Für diese Angst war kein Raum im Moment. Sie musste sich beeilen. Haustüre auf. Das Auto stand vor dem Eingangstor. Kofferraum auf. Alle Gepäckstücke rein, ohne groß zu überlegen, wie es sinnvoll war. Nur weg. Nur fertig werden und weg.

Noch einmal lief sie durch die Räme des Hauses. Wichtige Unterlagen vom Schreiben hatte sie schon bei der Freundin deponiert. Die passte heute auf die Kinder auf. Sie liebte es, dieses Haus. Wohnte so gerne hier in dem kleinen Dorf im Moos. Aber das musste sie wegdrücken. Tränen hatten jetzt keinen Platz. Im Augenblick, jetzt, gab es nur die Flucht. Weg. Weg aus dem bisherigen Leben. Später würde sie sehen, wie es sein würde.

Sie sah sich noch einmal um. Schloss dann die Tür zum Wohnbereich. Ob sie das alles je wiedersehen würde? Egal. Ein tiefer Seufzer. Sie ging die wenigen Stufen bis zur Eingangstür hinunter, trat hinaus in den diesigen Märztag, blieb noch einen Moment stehen vor dem Haus. Sah sich um, blickte in den Garten, zu den Nachbarn, dann zog sie entschlossen die Tür zu. Sperrte ab. Zweimal umdrehen. Schloss das Gartentor hinter sich. Stieg ins Auto. Und fuhr los. In ihr neues Leben. Das zuerst ins Frauenhaus führte.

Wir machen nur Urlaub

In ein Hotel, hatte sie den Kindern gesagt. Ein bisschen Urlaub machen. Was hätte sie ihnen sonst sagen sollen? Sie sollten so wenig mitbekommen wie möglich. Sie würden ihn wieder besuchen. Würden Oma und Opa wieder treffen. So wie früher. So wie immer. Nur die Vorzeichen waren andere. Fast hätte sie eine rote Ampel übersehen. So sehr hing sie ihren Gedanken nach. Sie hatte es getan. Hatte sich getraut. Sie hatte es gewagt. Nun gab es kein Zurück mehr.

Dass er ihr das Auto entführen würde, vor den Augen der Kinder, das wusste sie zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht. Es würde viel schwerer werden ohne Auto. Wer weiß, ob sie es gewagt hätte. So waren die Würfel gefallen. Das Ende eines Lebensabschnittes. Es war der Anfang vom neuen Leben.

Erinnerungen eines Lebens


Von Anngret

Noch ist der Blog neu und im Entstehen. Anngret schreibt Geschichten, veröffentlicht im Blog Alltagserlebnisse, schreibt über Frauenthemen, über Erlebnisse auf ihren Reisen, übers Älterwerden in Würde und Gesundheit, erzählt über die neue sanfte Medizin und einfach über alles, was das Einfach-Mensch-Sein ausmacht. Sie hat eine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin, war im Berufsleben im Steuerbereich tätig und ist jetzt in Rente.

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