Gestern hatte ich meine erste Lesung!
Ich habe mich tatsächlich getraut.
Öffentlich, in einer fremden Umgebung. Bei einem Event der Stadt.
Eine meiner Geschichten wurde veröffentlicht.
In einem echten Buch. Zum Anfassen, zum Umblättern.
Bei einem echten Verlag.
Es wird im Archiv unserer Stadtbücherei zu finden sein, für viele Jahre.
Bücher haben ein langes Haltbarkeitsdatum.
Ich finde das einfach cool.
Präsentieren dürfen
Natürlich habe ich nicht zum ersten etwas Mal vor Leuten vorgelesen.
In jedem Schreibkurs lese ich meine Storys vor. Bei jedem Schreibtreffen in einer Gruppe.
Oder bei Autorentreffen. Egal, wie viel Leute anwesend sind.
Ich lese meine Texte immer vor. Manchmal bin ich ganz wild darauf, das zu tun:
Wenn ich sie einfach toll finde, und mich freue, sie den anderen präsentieren zu können.
Oder weil ich dran bin mit dem Lesen, wenn es reihum geht.
Oder wenn keiner anfängt, dann fang ich an. Ich trau mich einfach.

Schreibgruppen-to-do
In Schreibgruppen entstehen natürlich immer Rohtexte. Wunderbare und unüberarbeitete Texte.
Einfach so, wie sie soeben aus der Feder geflossen sind.
Ich finde solche Texte herrlich, die aus dieser Spontanität heraus entstanden sind.
Es macht nichts, dass sie nicht oft und oft schon bearbeitet wurden. Warum denn auch!
Es ist ein erster Entwurf, und manchmal drücken sie so viel Emotionen aus, dass man sie gar nicht groß abändern muss. Es kommt immer darauf an, was man damit tun will.
Kreativität des Augenblicks
Wenn es eine kreative Aussage ist, eine Momentaufnahme, etwas, was im Augenblick so ist, dann kann das stehen bleiben. Weil der Moment ist nicht zu wiederholen. Und kann damit so viel mitteilen über einen selbst, über eine Situation, über etwas, was einen bewegt.
Wenn es eine Geschichte werden soll, wird es so sein, dass man sie noch überarbeitet, verändert, ergänzt, Neues hinzufügt, vielleicht merkt, dass man dies und das vergessen hast. Dann ist es schön, schon ein Rohkonzept zu haben, in einer Schreibgruppe entstanden, welches als Grundlage für weiteres Schreiben dienen kann.

Buchstaben laufen lassen
Ich schreibe gern spontan, lass es laufen, was kommt, kommt. Und ich bin immer wieder fasziniert, was daraus wird. Am Anfang kann es einfach nur ein Hinschreiben zu etwas sein, was schon wartet in einem, und was dann so nach und nach hervorsprudelt. Etwas, von dem man zuvor gar nicht wusste, dass es in einem schlummert. Das Sichtbarwerden des Nichtseins.
So etwas macht mir unglaublich viel Spaß. Es ist wie eine Reise in unbekannte Welten, in fremdes Terrain, das aber schon in einem selbst wartet, wo man es entdecken kann. Wie eine Forscherin, wie eine Entdeckerin, um es einmal mit dem weiblichen Pendant zu schreiben. Denn auch wir Frauen können Forscher und Entdecker sein. Und niemand kann es uns in der heutigen Zeit noch verbieten. Arme Frauen in der Vergangenheit, die das unterdrücken mussten. Mir tut es immer unglaublich leid, wenn ich derartiges lese.

Meine Story
Aber um wieder zu meiner Titelstory zu kommen. Diese Geschichte, die mir vor einigen Jahren spontan einfiel, angeregt durch einen Wettbewerb, bei dem mein sich Mann beteiligte, habe ich damals mit einer unglaublichen Freude niedergeschrieben, ich erinnere mich noch daran. Die Dialoge, die mir dazu einfielen, waren frech und köstlich. Diese Geschichte habe ich natürlich überarbeitet. Sie ist aber jetzt erst veröffentlich worden. Es gab 2025 eine Ausschreibung für ein Weihnachtsbuch, und hätte mein Mann nicht so darauf gedrängt, dass ich sie doch endlich einfach mal einschicken soll, dann hätte sie wohl weitergeschlummert in den Tiefen meiner anderen schlafenden Geschichten.
Man fand sie toll. Sie wurde angenommen zur Veröffentlichung! Ich war völlig baff. Und freute mich dann riesig. Und als man mich dann auch noch fragte, ob ich sie vorlesen möchte – ja, das wollte ich gerne. Meine eigene Geschichte durfte durch mich auch als gesprochene Worte in die Welt hinaus wandern. Immer gerne.

Mikrofon „wo-biscum“
Nun bin ich jemand mit einer leisen, feinen Stimme. Ich bin es gewohnt, meinen Text vor mir auf einem Tisch liegen zu haben, und so daraus vorzulesen. Auf dieser Veranstaltung gab es nun aber nur einen gemütlichen Sessel, in den man so richtig tief einsank. Das Buch hielt man dabei in den Händen. Das sah cool und gemütlich aus. Keine Frage. Aber so saß ich ziemlich nach hinten gebeugt da, und jedes Stimmvolumen wird dadurch geringer.
Und leider – war kein festes Mikrofon vorgesehen für die Vorlesenden. Zwar musste meine Stimme keinen riesigen Saal ausfüllen. Aber so ganz klein war der Raum auch wieder nicht. So ließ ich mir wenigstens ein Kissen bringen, damit ich nicht ganz eingesunken auf dem kuschligen Sessel saß. Ich wollte ja lesen, und nicht die Füße hochlegen. Gemütlich vorlesen geht anders, weil ich einfach versuchen musste, auch laut genug zu sein. Meine Stimme fing nach einer Weile sogar an, leicht zu zittern, obwohl ich wirklich nicht aufgeregt war. Denn vorlesen, das kann ich. Aber wenn man nicht weiß, ob das nun so passt, wie man es macht, und man lauter reden muss als gewohnt, strengt es an und verunsichert leider auch. Also mich zumindest.

Trotz allem
Ich hatte verschiedene Figuren zu sprechen, mit unterschiedlichen Stimmlagen. Beim Üben daheim war es mir sehr leicht gefallen, anders, als in dieser Umgebung. Ich spiele gern mit solch vertauschten Rollen. Nur, dieses ungewohnte Lautseinmüssen ist etwas anderes, als einfach nur lesen zu dürfen. Ich kann nur hoffen, dass es so ankam, wie ich mir dachte, dass es sein sollte. Schade, dass ich kein Mikrofon zur Verfügung hatte. Darauf werde ich künftig unbedingt achten. Wer liest, muss entspannt sein können. Ich liebe meine Geschichte, und sie ist auch wirklich ulkig. Santa Claus und Rudolf Rotnase fabrizieren mit Elfen und Engeln vorweihnachtliches Chaos.
Trotzdem – ich freute mich, dass ich lesen durfte, ich war ja dazu sogar eingeladen worden. Ganz sicher habe ich ein paar Leute glücklich gemacht, denn es gab ein paar sehr nette Kommentare. Auch die weihnachtliche Brille, die ich mir aufsetzte beim Lesen, erzeugte wohl schon Heiterkeit. Ich fand sie lustig. Ungewöhnlich. Herrlich verrückt. Und weihnachtlich. Und – so bin ich nun mal.


Noch ist der Blog neu und im Entstehen. Anngret schreibt Geschichten, veröffentlicht im Blog Alltagserlebnisse, schreibt über Frauenthemen, über Erlebnisse auf ihren Reisen, übers Älterwerden in Würde und Gesundheit, erzählt über die neue sanfte Medizin und einfach über alles, was das Einfach-Mensch-Sein ausmacht. Sie hat eine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin, war im Berufsleben im Steuerbereich tätig und ist jetzt in Rente.