Ich bin dreifache Oma.
Nach klassischen Vorstellungen müsste ich jetzt Socken stricken, auf der Parkbank sitzen und mich damit zufriedengeben, „meine Ruhe zu haben“.
Ich tue etwas anderes: Ich fange an zu bloggen.
Ich habe einen WordPress‑Blog aufgesetzt, ich schreibe Texte, ich bereite einen Newsletter vor. Für viele klingt das vielleicht nach einer Kleinigkeit. Für mich ist es eine kleine Revolution.
Einfach Mensch sein – unperfekt, aber echt
In meinem Blog schreibe ich über das, was ich am wichtigsten finde:
Einfach Mensch sein.
Nicht perfekt, nicht optimiert, nicht fehlerfrei.
Mensch sein heißt für mich: gut genug sein, so wie man eben ist.
Ohne ständig anderen hinterherzulaufen, die man für besser, klüger oder jünger hält. Ohne sich kleiner zu machen, als man ist.
Ich erzähle aus meinem Alltag, aus meinem Leben, von dem, was mich bewegt – immer dann, wenn es zu meinem Thema passt: „Einfach Mensch sein“. Und ich will diese Gedanken nicht mehr nur für mich behalten, in Notizbüchern und Schubladen, sondern mit anderen teilen.
Darum habe ich beschlossen:
- Ich setze einen Blog mit WordPress auf.
- Ich bringe meine Texte endlich an die Öffentlichkeit.
- Ich vertrete mein Denken offen, statt mich zu verstecken.
- Ich richte einen Newsletter ein, den ich zuerst an meine „Schreibleute“, Freundinnen, Freunde und Familienmitglieder verschicke.
Letzten Sonntag war es soweit: Die erste Nachricht ging raus – erst einmal an mich selbst.
Es funktioniert. Ich kann beginnen.
Gegen all die Sätze in meinem Kopf
Dass ich mich sichtbar mache, ist nicht selbstverständlich.
Ich trage eine lange Liste an Sätzen in mir, die mich jahrzehntelang klein gehalten haben:
- „Das tut man doch nicht.“
- „Wer will das denn lesen?“
- „Du bist nicht gut genug.“
- „Schuster, bleib bei deinen Leisten – du hast bereits drei Enkel.“
- „Du machst dich doch nur lächerlich.“
- „Du schreibst nicht wie Goethe, also ist es kein richtiges Schreiben.“
- „In deinem Alter fängt man so etwas nicht mehr an.“
Solche Glaubenssätze sind nicht aus dem Nichts entstanden.
Ich bin in Bayern geboren, als Kind von Flüchtlingen aus Pommern und Ostpreußen. Man hielt sich still, um nicht aufzufallen. Beliebt waren wir nicht. Später lebte ich in der neuen Familie meines Vaters, meine Mutter war gestorben, als ich sieben war, als nicht immer geliebtes Kind, ohne Schutz, oft beschämt.
Was man als Kind immer wieder hört und erlebt, wandert ins Innere. Es wird zu einer leisen, bohrenden Stimme: „Sei still. Halte dich zurück. Du störst nur.“
Wie ich diese innere Stimme leiser stelle
Mein Erfolg beginnt nicht mit Technik, nicht mit WordPress, nicht mit dem Newsletter.
Mein eigentlicher Erfolg ist: Ich traue mich, mich zu zeigen.
Ich lasse diese alten Sätze nicht mehr mein Leben bestimmen.
Entscheide mich, dass sie für mich keine Wahrheit mehr haben.
Stelle ihnen etwas Neues gegenüber:
- Trau dich – auch als Oma noch.
- Alter spielt keine Rolle, wenn es darum geht, du selbst zu sein.
- Du musst nicht die Rolle erfüllen, die andere dir zugedacht haben.
- Du darfst laut sein, sichtbar sein, unbequem sein.
- Du darfst stolz sein, dass du noch da bist.
In einer Zeit, in der ältere Menschen gern ins „hinterste Kämmerchen“ geschoben werden – aus den Augen, aus dem Sinn – sage ich: Nein.
Ich bin da.
Ich habe gelebt, gelitten, gelernt.
Ich habe Prüfungen bestanden, von denen manche junge, „hippe“ Menschen keine Ahnung haben.
Und genau das ist meine Stärke.
Worauf ich wirklich stolz bin
Stolz bin ich nicht darauf, eine perfekte Hausfrau zu sein – das war ich nie.
Kochen, backen, stricken: ja, das gibt es bei mir, aber es ist nicht mein Lebensinhalt. Ich bin stolz darauf, dass ich mir im Alter erlaube, meinen Weg zu gehen.
Darauf bin ich stolz:
- Bloggerin zu werden,
- meinen Blog aufzubauen und einen zu haben,
- dass ich mich mit meinen Texten der Öffentlichkeit stelle,
- einen Newsletter aufzusetzen und ihn wirklich abzuschicken,
- dass ich mich nicht mehr hinter Rollen, Erwartungen und alten Geschichten verstecke.
Ich hätte mich auch für die Bank im Park entscheiden können, mit Stricknadeln in der Hand.
Aber ich habe mich für meine Stimme entschieden.
Mein Blog heute
Wenn ich heute auf meinen Bildschirm schaue, auf meinen Blog, auf den kleinen Button „Veröffentlichen“, dann sehe ich mehr als nur Technik.
Ich sehe das Mädchen, das lernen musste, still zu sein.
Ich sehe die junge Frau, die sich angepasst hat, um zu überleben.
Ich sehe die Oma, die beschlossen hat, dass es jetzt genug ist mit dem Unsichtbarsein.
Mein Blog ist kein perfektes Projekt. Meine Texte sind nicht Goethe. Mein Newsletter ist kein Hochglanzprodukt.
Aber alles, was ich tue, ist echt. Es ist meins.
Und wenn du das hier liest und irgendwo in dir ein leiser Wunsch erwacht, dich auch zu zeigen – als Oma, als Opa, als Frau, als Mann, als Mensch –, dann möchte ich dir etwas mitgeben:
Trau dich. Alter spielt keine Rolle.
Denn wenn ich mit dieser Geschichte eines sagen will, dann das:
Wage Neues – egal, wie alt du bist.
Zeig dich. Steh zu dir.
Dein Leben ist es wert, gehört zu werden.


Noch ist der Blog neu und im Entstehen. Anngret schreibt Geschichten, veröffentlicht im Blog Alltagserlebnisse, schreibt über Frauenthemen, über Erlebnisse auf ihren Reisen, übers Älterwerden in Würde und Gesundheit, erzählt über die neue sanfte Medizin und einfach über alles, was das Einfach-Mensch-Sein ausmacht. Sie hat eine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin, war im Berufsleben im Steuerbereich tätig und ist jetzt in Rente.