Die Diagnose

Veröffentlicht am Kategorisiert als Gesund bleiben, Persönliches

Da stand ich mit dieser Diagnose. Na ja, in dem Moment saß ich eigentlich. Vor dem Kardiologen. Von einem Moment auf den anderen war alles anders. Mit so etwas hatte ich nicht im Entferntesten gerechnet. Die Untersuchung beim neuen Hausarzt hatte nichts ergeben. Die Lungenfunktion war in Ordnung. Ich wollte eigentlich nur Strophantin verschrieben bekommen, aber ohne Untersuchung bekam man das nicht.

Unsere Kreuzfahrt acht Tage später war gebucht. Abfahrt 1. März in Barcelona. Dort mussten wir erst einmal hinkommen. Zug fahren war keine Option. Wir nehmen das Flugzeug, keine Frage. Nur, darf ich jetzt noch fliegen? Was, wenn ich es nicht mehr vertrage? Ich bin immer gern geflogen, hatte nie Flugangst. Der letzte Flug lag ein Jahr zurück. Da war alles noch in Ordnung. Was, wenn über den Wolken genau das passiert, was nicht passieren darf: ein Herzinfarkt?

Man sitzt da und weiß nicht, wie einem geschieht. Was war der Auslöser? Warum ich? Ende Oktober des letzten Jahres begann es, dass ich immer öfter Luftnot bekam, mich zunehmend unwohler fühlte. Alles ungewohnt. War von der starken Erkältung im Sommer 2024, und die hatte es wirklich in sich gehabt, etwas zurück geblieben? War sie nicht ausgeheilt? Und war dann genau das passiert, dass Organe in Mitleidenschaft gezogen wurden?

Die Auswirkungen

In dem Moment würde das Wissen darum auch nicht weiterhelfen. Jetzt spürte ich die Auswirkungen. Mein Herz hatte nicht mehr die volle Leistungskraft. Peng. Es ist, als würde auf dich geschossen werden. Und es hebt dich aus den Angeln. Man steht auf, geht aus der Praxis. Im Grunde weiß man gar nicht, was man in dem Moment tut. Der Automatismus des Lebens übernimmt das Jetzt. Wie in Trance setzte ich mich auf eine Bank nahe des Brunnens beim Harras-Vorplatz in München. Ich saß nur da. Ich saß einfach da und starrte vor mich hin.

Und jetzt? Was würde sein? Wie würde ich jetzt leben? Was durfte ich noch tun? Was sollte ich besser lassen? Sollte ich sofort die Reise stornieren? Vom Arzt bekam ich kein grünes Licht. Wie auch. Wenn etwas passiert, hat er die Verantwortung. Tja, er zuckte die Schultern auf meine Frage hin. Er würde jetzt wohl eher nicht in einen Urlaub fliegen und so eine anstrengende Reise antreten, meinte er. Natürlich sei es meine Entscheidung. Aber es könnte jederzeit ein Herzinfarkt kommen. Man weiß es nicht.

Meinte der wirklich mich?

Ich. Einen Herzinfarkt. Meinte der wirklich mich? Ich, die nie etwas langsam erledigte. Weil ich einfach immer schnell war. Ich gehe nicht spazieren, ich renne, meinte einmal mein Mann. Ihm war das zu schnell geworden irgendwann. Jetzt war ich mit einem Mal langsam, bekam weniger Luft, wenn es nur etwas anstrengend war. Ich hatte nicht einmal die Strecke von der S-Bahn zum Arzt allein bewältigen können. Es ging ein kleines Stück bergauf, ein Hügelchen. Ich hatte meinen Mann gebraucht, seinen Arm zum Festhalten. Und musste immer wieder stehen bleiben.

Ich. Das war wirklich ich. Ich wagte mich nicht mehr allein nach München mit dem Zug. Weil ich nichts mehr schaffte, was sonst völlig normal war. Es war so eine Art Angst vor allem entstanden. Wie Panikattacken fühlte es sich an. Angst vor zu vielen Leuten, Angst, allein mit dem Auto zu fahren, Angst, zum Einkaufen zu gehen, weil ich die Strecke nicht mehr gut bewältigte. Angst vor dem Spazieren gehen, weil ich sofort kaputt und müde war und keine Luft mehr bekam. Daraus entsteht Panik, wenn man so etwas erlebt. Was ist mit einem, fragt man sich.

Was ist zu tun

Und jetzt diese Diagnose. Daher also kommt das. Mein Herz mag nicht mehr, was es bisher wunderbar bewältigt hatte. Langsam machen war angesagt. Was musste noch anders werden? War meine Ernährung verkehrt? Ja, ich hatte zugenommen. In kurzer Zeit relativ viel. Das war ungewöhnlich. Der Körper sammelte Wasser an, das Herz pumpte es nicht mehr in die richtigen Kanäle. Schlank war ich früher gewesen, vor dem Wechsel. Ab da war es anders. Das mit dem Gewicht war nichts Neues. Aber seit ein paar Monaten verhielt sich auch das anders. Es hatte mich schon erstaunt, dass es gar nichts mehr nützte, andere Sachen zu essen, um ein paar Kilos zu verlieren. Jetzt wusste ich zumindest, warum.

Die Untersuchung am Herzen würde invasiv sein. Anders würde es schulmedizinisch gesehen nicht gehen. Und so kurzfristig einen Termin? Ein absoluter Notfall mit Blaulicht und Tatütata war ich nicht. Wenigstens das. Mir graute vor dieser Untersuchung. Ich bekam auch unterschiedliche Ansichten zu hören bezüglich der Untersuchung. Je nachdem, wo ich nachfragte. Auch das noch. Mir graute so davor, dass ich es erst einmal auf eigene Verantwortung hin anders versuchen wollte. Ich ließ mir Strophanthin verschreiben. Ich hatte mir diesen Kardiologen gezielt gesucht. Er arbeitet nicht nur mit „normalen“ kardiologischen Methoden, sondern bietet auch sanftere Methoden an. Wenn man es möchte, und wenn es aus ärztlicher Sicht vertretbar ist. Eigentlich hatte ich nur das Strophantin gewollt. Um es mal auszuprobieren.

Angst ist trotzdem da

Wirklich wohl war mir nicht. Die Angst, dass etwas schief gehen könnte, sitzt tief, wenn es ums Herz geht. Der neue Hausarzt, den ich zuvor aufsuchte, meine früheren Ärzte waren leider alle in Rente, machte mir weitere Angst. Über das Strophanthin lachte er nur. Alter Kram. Bei ihm würde ich das nicht bekommen. Er hätte mir etwas viel Besseres und Moderneres anzubieten. Und all die anderen alternative Methoden, mit denen ich seit Jahren sehr gut lebte, würde er auch nicht akzeptieren, oder anwenden. Das wurde mir klar. Oh mein Gott. Ich blieb auf meiner Angst sitzen. Damit müsste ich selbst klar kommen.

Auf eigene Verantwortung mit einem nicht mehr richtig funktionierenden Herzen sein Leben weiterzuleben, das ist hart. Weil man Angst hat. Wie viel davon ist nur geschürte Angst, künstlich erzeugt, wie viel davon ist wirklich wichtig, zu beachten? Ich las Bücher, die von Strophanthus e.V. empfohlen werden. Der Arzt Dr. Knut Sroka beispielsweise beschreibt in seinem Buch (bei Amazon z.B. zu finden), was es bedeutet, mit „meiner“ Diagnose in die Maschinerie der Schuldmedizin zu geraten. Er stellt aber auch andere Methoden und Möglichkeiten vor. Ärzte müssen so reagieren, wie er es beschreibt, bei bestimmten Diagnosen. Unsere Gesundheitsvorschriften geben es so vor, sie riskieren sonst ihre ärztliche Zulassung. Somit wird ein Schulmediziner und vor allem ein Notfallmediziner oder ein Krankenhaus nicht anders handeln können, als sie es tun.

Eine Entscheidung treffen

Es ist gut, das zu wissen. Man entscheidet sich dann, welchen Weg man einschlägt. Man erkundigt sich, was es alles für Maßnahmen gibt, die aufgrund erprobter Erfahrungsweisen funktionieren, welche Medikamente helfen, die inzwischen von der Schulmedizin vergessen sind, vielleicht sogar verpönt und somit nicht mehr eingesetzt werden. Welche Alternativmittel es gibt, die auf Erfahrungswerten basieren. Man hat viel zu tun, sich entsprechendes Wissen zu besorgen.

Und dabei sitzt einem trotzdem immer mal wieder die Angst im Nacken – ist es gut, was man macht? Sollte man nicht vielleicht doch den anderen Weg einschlagen? Eine sehr gute Freundin hatte eine ähnliche Diagnose bekommen. Sie entschied sich für eine OP am Herzen. Routine inzwischen, sagten ihr die Ärzte. Es ging gut aus. Ich war sehr froh, das zu hören. Aber wirklich besser ist es nicht geworden. So wie früher geht es ihr trotzdem nicht wieder. Ist mein Weg also doch nicht so verkehrt?

Die Trotzdem-Kraft

Ich bin nach Spanien geflogen, und ich habe meine Kreuzfahrt angetreten. Ich kam zurecht. Musste langsam machen. Wusste das ja. Alle wussten es. Und ich bekam viel Rückenstärkung. Meine kleine Enkelin, die dabei, war ein Schatz in dieser Hinsicht. Meine Tochter bestärkte mich. Wir schaffen das, Mama, immer schön langsam. Deine Seele braucht auch Nahrung. Vielleicht ist das genau das Richtige. Ja, das war es wohl.

Ich wurde nicht seekrank. Bis auf einmal, zwei Stunden lang. Auf der Überfahrt übers offene Meer von Tunis nach Barcelona, mit Sturm und Wellengang. Das war schlimm. Aber ich habe es überstanden. Die Landgänge strengten mich sehr an, weil ich ja nicht gut laufen konnte. Wir nahmen fast immer Taxis. Mein Mann lief die Wege gerne zu Fuß. Das hatten wir sonst immer zusammen gemacht. Jetzt ging es nicht. Aber ich war nie allein. Tochter und Enkelin hatte ich immer an meiner Seite.

In Genua schaffte ich den Rückweg aus der Innenstadt ohne Taxi. Der Weg ist nicht weit! Aber für mich war er es. Und ich war stolz wie Bolle, es gekonnt zu haben. Danach ruhte ich mich allerdings längere Zeit aus. Wenn ich mir die Fotos von der Zeit ansehe – ich war nicht gesund,. Man sieht es mir an. In Marseille fror ich und benötigte zu meiner dicken Jacke noch die meiner Tochter, und mein Mann hat mir seine auch noch gegeben. Sie benötigten keine Jacken. Die Sonne schien, es wurde warm. Trotzdem war mir noch kalt.

Ausruhen in Marseille mit Schal und mehreren Jacken
Hafen Genua – von unserer Anlegestelle war es nicht weit bis in die Innenstadt

Wenn ich aber die vielen Reisen ansehe, die ich dieses Jahr 2025 gemacht habe, trotz dieser Diagnose, dann freu ich mich einfach nur. Ich habe mich nicht unterkriegen lassen. Allein die Sache mit Wacken Ende Juli war eine absolute Herausforderung für alle, und ganz besonders für mich. Ich habe sie geschafft! Darauf bin ich so richtig stolz.

Vertrauen – und Stolz

Ich vertraue mir, meinem Gefühl, meiner inneren Stimme. Ich wurde unterstützt von den Kindern, von meinem Mann, von der Familie, mit ihrem Bestärken, meins zu machen. So, wie es sich für mich gut anfühlte. Jetzt, kurz vor dem neuen Jahr 2026, geht es mir relativ gut. Ich habe mich darauf eingestellt, dass nicht mehr alles schnell gehen muss.

Bis auf die herausfordernde Zeit mit dem Einrichten des Blogs, da war das etwas anders. Die Erklärvideos in der Blog Boost Community standen nur für relativ kurze Zeit zur Verfügung. Für mich war es kurz, viel zu kurz, um mich in Ruhe damit befassen zu können. Das habe ich zuvor so nicht gewusst. Hätte ich es gewusst, wäre aber wahrscheinlich der Blog nicht zu Stande gekommen, weil ich es so nicht gebucht hätte. Es hat sich also eins zum anderen so ergeben, so dass ich das dann trotzdem machte. Ich wollte einen Blog HABEN. Wie das geht, davon hatte ich zuvor wirklich nur Null-Komma-Null Ahnung. Nun ist er so weit fertig, dass ich ihn benutzen kann. Ich bin stolz auf mich.

Von Anngret

Noch ist der Blog neu und im Entstehen. Anngret schreibt Geschichten, veröffentlicht im Blog Alltagserlebnisse, schreibt über Frauenthemen, über Erlebnisse auf ihren Reisen, übers Älterwerden in Würde und Gesundheit, erzählt über die neue sanfte Medizin und einfach über alles, was das Einfach-Mensch-Sein ausmacht. Sie hat eine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin, war im Berufsleben im Steuerbereich tätig und ist jetzt in Rente.

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